Leber

 

 
 
   
Was ist die Leber und welche Funktionen hat sie?
Die Leber ist mit etwa 1,5 kg Gewicht, das grösste Organ des menschlichen Körpers. Sie liegt grösstenteils im rechten Oberbauch.
Die Leber hat viele Funktionen. Sie ist eine Fabrik, die viele Substanzen herstellt (Synthese) oder abbaut (Metabolismus), aber auch das Gleichgewicht erhält (Homöostase). Unser Körper macht eine Reihe von Abbauprodukten (z.B. Bilirubin - das Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffes), die nur von der Leber entsorgt werden können (durch Ausscheidung). Die Leber spielt eine zentrale Rolle im Abbau von Medikamenten. Diese werden von der Leber aufgenommen, umgebaut und/oder abgebaut und ausgeschieden. Sie ist strategisch zwischen den Darm und den Rest des Organismus eingebaut, so dass sie als Filter wirken kann und z.B. verhindert, dass Bakterien aus dem Darm in die Blutbahn gelangen. Wegen dieser strategischen Lage ist sie auch ein wichtiges Organ unseres Abwehrsystems.
 
   
 
   

Spezielle Untersuchungsmethoden

Sonographie / Ultraschall
Die Sonographie ist das wichtigste, nicht in das Organ eingreifende, bildgebende Verfahren für Leber und Gallenwegserkrankungen. In die Domäne der Sonographie gehören umschriebene Leberprozesse, Steine, zystische Veränderungen und solide Prozesse werden ab einer Grösse von 3 bis 5 mm nachgewiesen. Die Duplexsonographie erlaubt die Differenzierung von soliden, zystischen und durchbluteten Strukturen. Ein weiterer diagnostischer Vorteil des Ultraschalls ist die risikoarme, sonographisch gesteuerte Entnahme von Gewebeproben (Biopsien ).

Computertomographie (CT) und Magentresonanztomographie (MRT).
Für CT and MRI gelten die gleichen Indikationen wie für die Sonographie. Einen besonderen Vorteil bietet das Kontrastmittel-CT und -MRI bei zystischen Formationen und bei soliden Tumoren der Leber wie Adenomen, Hämangiomen und dem primären Leberkrebs (Leberzellkarzinom).

Arteriographie
Die Darstellung der hepatischen Gefässe wird im Rahmen der Abklärung einer Lebertransplantation durchgeführt, für die definitive Diagnose eines Lebertumors und für die Behandlung der Lebertumore.

Leberhistologie
Die Leberdiagnostik wird durch eine Entnahme vom Lebergewebe (Leberbiopsie) ergänzt. Sie ist indiziert bei allen unklaren, diffusen oder fokalen Leberparenchymprozessen.

Die wichtigsten Erkrankungen des Leber

Viele angeborene und erworbene Krankheiten können die Leber betreffen und in ähnliche Krankheitsbilder münden. Die wichtigsten Gruppen werden im Folgenden kurz vorgestellt:
1. Virushepatitis.
Die Hepatitis A ist meistens harmlos; eine Impfung ist möglich. Die Hepatitis B ist weltweit einer der grössten "Killer": 300'000'000 Menschen sind betroffen, davon sterben jährlich eine Million! Eine Impfung ist möglich und dringend empfohlen. Auch die Hepatitis C ist sehr häufig: man nimmt an, dass auf der ganzen Welt 100'000'000 Menschen an einer Hepatitis C leiden. Eine Impfung ist zur Zeit leider nicht möglich.
2. Alkoholische Leberkrankheiten.
3. Angeborene Leberkrankheiten.
Die Hämochromatose ist eine sehr häufige Erbkrankheit: etwa 20'000 Schweizer/innen sind betroffen. Andere angeborene Leberkrankheiten sind die Wilsonsche Krankheit (Überlastung des Körpers mit Kupfer), der Alpha-1-Antitrypsinmangel. Auch die zystische Fibrose kann die Leber betreffen.
4. Autoimmune Leberkrankheiten
5. Leberzirrhose
6. Lebertumore, v.a. der Leberkrebs.

1. Virushepatitis

Hepatitis-A-Virusinfektion

Was ist Hepatitis A?
Akute gewöhnlich selbstheilende Leberentzündung, hervorgerufen durch ein enteral/auf den Darm bzw. die Eingeweide bezogenes, übertragenes RNS-Virus (Ribonukleinsäure-Virus). Früher war dies vor allem eine Erkrankung von Kindern und Jugendlichen, heute befällt die Infektion aufgrund des hohen Hygienestandards in den westlichen Ländern zunehmend Erwachsene.

Welche Symptome und Beschwerden treten bei Hepatitis A auf?
Klinisch sind die meisten akuten Hepatitis-Erkrankungen gekennzeichnet durch ein "gastroenteritisches" Vorstadium (Magendarmgrippe) und vielfach durch eine sich danach entwickelnde ikterische Phase (Gelbsucht) beginnend mit Dunkelfärbung des Urins und Gelbfärbung des Auges und der Schleimhäute.

Welche Komplikationen und Gefahren gibt es dabei?
Die Hepatitis A ist eine selbstheilende Krankheit. Nur selten (0.01%) kommt ein fulminanter Verlauf vor mit Leberversagen und Tod. Die Behandlung in diesem Fall ist die Lebertransplantation.

Welche Abklärungen und Voruntersuchungen müssen bei einer Hepatitis A getroffen werden?
Die Diagnose wird aufgrund der Klinik- und Laboruntersuchungen gemacht. Im Labor finden sich neben der Erhöhung der Leberenzyme immer Antikörper gegen das Hepatitis A Virus im Blut des Patienten.

Therapie / Behandlungsmethoden / Prophylaxe
Es ist keine spezifische Therapie notwendig. Zur Prophylaxe steht bei Reisen in Risikogebiete wie Asien, Afrika, Mittelamerika und Mittlerer Osten ein Aktivimpfstoff zur Verfügung. Die Injektionen von je 1 ml erfolgen nach der Erstinjektion im Abstand von 2 bis 4 Wochen und 6 bis 12 Monaten. Der Impferfolg beträgt mehr als 95%.

 

Hepatitis-B-Virusinfektion

Was ist Hepatitis B?
Akute Leberentzündung, hervorgerufen durch ein DNA-Virus von Mensch (dem einzigen Wirt des Hepatitis-B-Virus) zu Mensch durch Geschlechtsverkehr oder während der Geburt übertragen. Die Hepatitis B ist weltweit einer der grössten "Killer": 300'000'000 Menschen sind betroffen, davon sterben jährlich eine Million! Im Gegensatz zur Hepatitis A ergibt sich keine wechselseitige Beziehung der Durchseuchungsrate mit dem Alter der untersuchten Personen; jedoch wird im Zusammenhang mit dem zunehmenden Drogenmissbrauch in der Altersgruppe zwischen dem 15 und 29 Lebensjahr eine gewisse Häufung von Hepatitis-B-Virus-infizierten Personen beobachtet. Die Hepatitis-B-Infektionshäufigkeit ist bei Partnern von Hepatitis-B-Virus-infizierten Personen vermehrt, so dass eine sexuelle Übertragung wahrscheinlich ist. Die Dauer von Ansteckung bis Beginn der Krankheit (Inkubationszeit) beträgt 4 Wochen bis 6 Monate.

Welche Symptome und Beschwerden treten bei Hepatitis B auf?
Meistens unspezifische Beschwerden wie Oberbauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen. Die Beobachtung von Gelbsucht (Ikterus) ist nicht obligatorisch. Die Differantialdiagnose von der Hepatitis-A-Infektion ohne Zuhilfenahme von Labordaten (siehe unten) ist unmöglich.

Welche Komplikationen und Gefahren gibt es dabei?
Nach grösseren Verlaufsuntersuchungen heilen 90% der Hepatitis-B-Infektionen spontan und folgenlos aus. Bei weniger als 1% der Infizierten kommt es zur fulminanten Hepatitis: eine notfallmässige Transplantation ist darum nötig. In etwa 10% der Fälle geht die Erkrankung in eine chronische Form (chronisch fortdauernde oder chronisch aktive Hepatitis) über. Eine Leberzirrhose (siehe unten) entwickelt sich bei weniger als 1% der Infizierten. Das primäre Leberzellkarzinom wird vor allem bei Patienten mit chronischen Verlaufsformen beobachtet, insbesondere wenn ein zusätzlicher schädigender Faktor hinzukommt, wie zum Beispiel eine zusätzliche Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus oder Alkohol.

Welche Abklärungen und Voruntersuchungen müssen bei einer Hepatitis B getroffen werden?
Die Diagnose einer Hepatitis-Virus-Infektion wird durch bestimmte Laboruntersuchungen (serologische Untersuchungen) gemacht. Die Positivität der verschiedenen serologischen Tests ist von dem Verlauf der Krankheit (z.B. Entwicklung einer chronischen Hepatitis ) abhängig.

Therapie / Behandlungsmethoden / Prophylaxe
Eine Behandlung der akuten Hepatitis-B-Infektion ist nicht notwendig. Bettruhe hat keinen Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung. Körperliche Schonung wird von den Patienten in den meisten Fällen von selbst angestrebt. Patienten mit einem fulminanten Verlauf brauchen eine Lebertransplantation. Bei der chronisch aktiven Hepatitis führt die Behandlung mit Interferon in ca. 40 bis 50% zu einer Viruselimination. Patienten mit einer erfolgreichen Behandlung haben ein geringeres Risiko zur Entwicklung von Leberzirrhose und Leberzellkarzinom. Vor Therapiebeginn ist immer eine Leberbiopsie indiziert, um das genaue Ausmass der Leberkrankheit definieren zu können. Zur aktiven Impfung stehen gereinigte, aus humanen Plasma hergestellte und gentechnologisch synthetisierte Impfstoffe zur Verfügung. Die Aktivimpfung wird nach 4 Wochen und 6 Monaten wiederholt. Das Impfergebnis wird durch den Nachweis von Antikörpern gegen den Virus kontrolliert. Der Impftiter sollte höher als 100 IE sein, sonst ist eine zusätzliche Impfung notwendig.

Nachsorge
Da bei Hepatitis-B-Virus-infizierten Patienten mit einer chronischen Leberentzündung, das Risiko der Entwicklung einer Leberzirrhose und eines Leberzellkarzinoms hoch ist, ist eine Nachsorge notwendig. Diese Nachsorge, die am Institut für klinische Pharmakologie/Hepatologie des Inselspitals stattfindet, beinhaltet die klinische Kontrolle und die Kontrolle von Laborparameter, um eine Früherkennung der Entwicklung von Leberzirrhose bzw. Leberkarzinom möglich zu machen. Eine Früherkennung dieser Krankheiten führt zu besseren Therapien.

 

Hepatitis-C-Virusinfektion

Was ist Hepatitis C?
Eine Infektion der Leber mit einem RNS-Virus. Dies führt zur Entzündung der Leber (Hepatitis). Das Hepatitis-C- Virus wird durch Blutprodukte, Drogenmissbrauch (unsaubere Spritzen) und kleine Verletzungen (z.B. Rasierapparate, Zahnbürsten usw.) übertragen. Wenn überhaupt, wird die Hepatitis sexuell nur selten übertragen. Die Übertragung von der Mutter auf das Kind ist sehr selten. Werdende Mütter mit einer Hepatitis C können normal entbinden und stillen. Die Hepatitis C ist sehr häufig: man nimmt an, dass auf der ganzen Welt 100'000'000 Menschen an einer Hepatitis C leiden.

Welche Symptome und Beschwerden treten bei Hepatitis C auf?
Die meisten Patienten merken nichts. Müdigkeit und gelegentliche milde Schmerzen im rechten Oberbauch können auftreten.

Welche Komplikationen und Gefahren gibt es dabei?
Wenn die Krankheit chronisch wird (d.h. über ein Jahr dauert), kann es über Jahrzehnte zu einer Vernarbung der Leber (Leberzirrhose) kommen. Dies dauert 10 bis 30 Jahre. In Patienten mit einer Leberzirrhose kann es 30 Jahre nach der Infektion zu einem Leberkrebs kommen; dies ist allerdings in der Schweiz eher selten. Man schätzt, dass in der Schweiz, 0.5 bis 1 % der Bevölkerung eine Hepatitis C haben, das heisst, dass 35'000 bis 70'000 Menschen betroffen sind. Wie viele davon die schweren Komplikationen (Leberzirrhose oder Leberkrebs) entwickeln, wissen wir nicht. Aufgrund verschiedener Studien kann man schätzen, dass 200 bis 300 PatientInnen pro Jahr eine schwere Komplikation entwickeln.

Welche Abklärungen und Voruntersuchungen müssen bei Hepatitis C getroffen werden?
Der Hausarzt kann die Hepatitis C finden, indem er nach einer Leberentzündung sucht und die Antikörper gegen das Hepatitis C Virus bestimmen lässt. Andere zusätzliche Faktoren, die uns wichtige Informationen liefern, vor allem vor Beginn einer Behandlung, sind die Bestimmung des Virustiters, die Bestimmung des Genotyps des Virus und die Leberbiopsie (Histologie).

Therapie / Behandlungsmethoden
Die Behandlung der Wahl ist heute die Kombination Interferon + Ribavirin. Damit können bis zu 75 % der Patient/innen geheilt werden. Interferone (IFN) sind Eiweisse, die der Körper zur Abwehr von Viren produziert. Interferon wird heute gentechnologisch hergestellt. Die wichtigste Nebenwirkung ist eine kleine "Grippe", nämlich Fieber, Gliederschmerzen und Müdigkeit. Die meisten Patient/innen können während der Behandlung normal arbeiten. Neuere Substanzen, sogenannte "Virostatika" ("Antibiotika" gegen Viren) können - in Kombination mit Interferon, über 50 % der behandelten Patient/innen heilen. Zu diesen Virostatika gehören Ribavirin und Amantadin, die in klinischen Studien zur Zeit geprüft werden. Für Patienten mit Leberzirrhose und schweren Komplikationen wird heute die Lebertransplantation empfohlen. Diese wird in Bern an der Klinik für Viszeral - und Transplantationschirurgie durchgeführt. Für Patienten mit Leberkrebs kann eine Operation zur Heilung führen, wenn der Krebs früh entdeckt wird.

Nachsorge
Da bei Hepatitis-C-Virus-infizierten Patienten mit einer chronischen Leberentzündung, das Risiko der Entwicklung einer Leberzirrhose und eines Leberzellkarzinoms hoch ist, ist eine Nachsorge notwendig. Diese Nachsorge, die am Institut für klinische Pharmakologie/Hepatologie des Inselspitals stattfindet, beinhaltet die klinische Kontrolle und die Kontrolle von Laborparameter, um eine Früherkennung der Entwicklung von Leberzirrhose bzw. Leberkarzinom möglich zu machen. Eine Früherkennung dieser Krankheiten führt zu besseren Therapien.

 

2. Alkoholische Leberkrankheit

Was ist die alkoholische Leberkrankheit?
Alkoholische Leberkrankheit ist eine chronische Lebererkrankung, die als Folge eines vermehrten Alkoholkonsums auftreten kann. Das Spektrum alkoholischer Lebererkrankungen umfasst die Fettleber, die alkoholische Hepatitis und die Leberzirrhose.

Welche Symptome und Beschwerden treten bei der alkoholischen Leberkrankheit auf?
Symptomatisch werden vor allem Patienten mit einer alkoholischen Hepatitis. Die Symptome sind zahlreich. Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Gewichtverlust, aber auch schwere Symptome, wie Nierenversagen, Blutungen im Vertrauungstrakt und psychische Probleme werden beobachtet. Die Fettleber und die Leberzirrhose sind meistens nicht symptomatisch und werden durch Ihre Komplikationen bemerkbar (siehe unten)

Welche Komplikationen und Gefahren gibt es dabei?
Vermehrter Alkoholkonsum kann zu einer Leberzirrhose und Leberzellkrebs führen.

Welche Abklärungen und Voruntersuchungen müssen bei einer alkoholischen Leberkrankheit getroffen werden?
Die Diagnose einer alkoholischen Leberkrankheit wird mittels Anamnese und Ausschluss anderer Ursachen gestellt.

Therapie / Behandlungsmethoden / Prophylaxe
Die beste Behandlung ist die Alkoholabstinenz. Die Komplikationen der alkoholischen Leberkrankheit vor allem die Leberzirrhose werden entsprechend behandelt.

 

3. Angeborene Leberkrankheiten / Hämochromatose

Was ist die Hämochromatose?
Die Hämochromatose ist die häufigste Erbkrankheit des Erwachsenen. Eine unter 10 bis 12 Personen ist gesunder Träger eines fehlerhaften Gens und eine unter 400 bis 600 Personen erkrankt an Hämochromatose. Aufgrund dieser Häufigkeit des Gens muss in der Schweizer Bevölkerung von 17.500 bis 20.000 betroffenen Patient/innen ausgegangen werden. Das fehlerhafte Gen führt zu einer unkontrollierten Aufnahme von Eisen aus der Nahrung und zu einer Überladung verschiedener Organe mit diesem Schwermetall.

Welche Symptome und Beschwerden treten bei einer Hämochromatose auf?
Die ersten Symptome können von der Leber, den Gelenken, der Bauchspeicheldrüse oder anderen Drüsen kommen. Oft sind die Symptome nicht eindeutig und die Diagnose wird verpasst, wenn der Hausarzt nicht an diese Krankheit denkt. Leber: Müdigkeit, Oberbauchschmerzen. Gelenke: Entzündung, Schmerzen in den Gelenken. Bauchspeicheldrüse: Zuckerkrankheit (Durst, vermehrtes Wasserlösen) Andere Drüsen: Impotenz

Welche Komplikationen und Gefahren gibt es dabei?
Die Spätfolgen betreffen ähnliche und andere Organe wie bei den oben aufgeführten Zeichen der Krankheit: Leber: Leberzirrhose (Vernarbung). Diese kann zu verschiedenen Komplikationen führen: Innere Blutungen, Wasserbauch (Aszites) Gelbsucht (Ikterus), Leberkrebs. Bauchspeicheldrüse: Zuckerkrankheit mit allen Spätfolgen. Herz: Unregelmässiger Herzschlag, Herzversagen. Haut: Dunkle Verfärbung

Welche Abklärungen und Voruntersuchungen müssen bei einer Hämochromatose getroffen werden?
Die Krankheit sollte mit einem einfachen Test (Eisen und Eisenbindungskapazität) gesucht werden. Liegen diese Werte über der Norm, wird eine molekulargenetische Untersuchung durchgeführt; dadurch kann die Krankheit bei 85% der Patienten nachgewiesen werden. Unter Umständen ist eine Leberbiopsie notwendig; dabei wird unter Lokalanästhesie ein kleines Stück Leber mit einer Nadel entfernt, um diese unter dem Mikroskop zu beurteilen und um darin die Eisenmenge zu bestimmen. Wird eine Hämochromatose diagnostiziert, ist es enorm wichtig, dass alle Familienangehörigen ebenfalls untersucht werden, um mit einer frühzeitigen Therapie Organschädigungen zu verhindern.

Therapie / Behandlungsmethoden
Das überflüssige Eisen wird durch regelmässige Aderlässe entfernt. Diese Möglichkeit einer effizienten Therapie zeigt, welch grosse Bedeutung einer frühzeitigen Diagnosestellung zukommt. Bei frühzeitiger Erkennung können alle Organschäden verhindert werden!

 

4. Autoimmune Leberkrankheiten

Was sind autoimmune Leberkrankheiten?
Leberkrankheiten mit unklaren Ursachen. Man vermutet dass autoimmune Phänomene (eine Art von Selbstzerstörung) eine Rolle spielen. Zu den autoimmunen Erkrankungen gehören die Autoimmunhepatitis, die primär biliäre Zirrhose und die primär sklerosierende Cholangitis. Die Autoimmunhepatitis kommt vor allem bei jungen Frauen vor. Die primär biliäre Zirrhose tritt in 90% bei Frauen im mittleren Lebensalter auf. Die primär sklerosierende Cholangitis tritt in 70% der Fälle bei Männern auf und ist mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung assoziiert.

Welche Symptome und Beschwerden treten bei autoimmunen Leberkrankheiten auf?
Je nach Stadium sind die Symptome unterschiendlich. Die Autoimmunhepatitis kann auch akut mit Zeichen einer Leberentzündung auftreten. Die primär biliäre Zirrhose und die primär sklerosierende Cholangitis sind meistens am Anfang nicht symptomatisch. Das Hauptsymptom ist Hautjucken und später Zeichen der Leberzirrhose (Wasserbauch, Gelbsucht).

Welche Komplikationen und Gefahren gibt es dabei?
Eine Leberzirrhose entwickelt sich nach meistens langem Verlauf bei allen autoimmunen Lebererkrankungen.

Welche Abklärungen und Voruntersuchungen müssen bei autoimmunen Leberkrankheiten gemacht werden?
Die Diagnose einer autoimmunen Lebererkrankung wird meistens durch Untersuchung von Lebergewebe (Biopsie) gemacht. Zusätzliche Untersuchungen sind Laboruntersuchungen mit der Bestimmung spezifischer Antikörper und für die Diagnose der primär sklerosierenden Cholangitis die ERCP.

Therapie / Behandlungsmethoden
Je nach Stadium der Krankheit sind medikamentöse Therapien möglich. Die definitive Behandlung aller autoimmunen Leberkrankheiten ist die Lebertransplantation.

 

5. Leberzirrhose

Was ist Leberzirrhose?
Leberzirrhose ist eine Vernarbung der Leber. Mit der Vernarbung kommt es zu einem Verlust der normalen Architektur (Bildung von Knoten) und einer Vermehrung von Bindegewebe. Viele Krankheiten führen zur Leberzirrhose: Virushepatitis (v.a. Hepatitis B und Hepatitis C), Alkohol, autoimmune Erkrankungen, angeborene Stoffwechselstörungen, vor allem die Hämochromatose.

Welche Symptome und Beschwerden treten bei einer Leberzirrhose auf?
Viele Patienten merken überhaupt nicht, dass sie eine Zirrhose haben. Andere beklagen sich über Müdigkeit oder über mit der Grundkrankheit verbundene Symptome. Meistens wird die Krankheit durch ihre Komplikationen bemerkt.

Welche Komplikationen und Gefahren gibt es dabei?
Innere Blutungen (v.a. aus Krampfadern in der Speiseröhre, sogenannte Ösophagusvarizen), Wasserbauch (Aszites), Gelbsucht (Ikterus), Hepatische Enzephalopathie (eine Selbstvergiftung, weil die Leber Gifte aus dem Darm nicht mehr filtriert), Muskelschwund und -krämpfe. Viele Patienten sterben nicht an der Zirrhose.

Welche Abklärungen und Voruntersuchungen müssen bei einer Leberzirrhose gemacht werden?
Zur Diagnose einer Zirrhose führen meistens die Symptome der Patienten die durch die Komplikationen verursacht werden.

Therapie / Behandlungsmethoden
Man kann Folgen der Zirrhose behandeln: Blutungen kann man endoskopisch (Verödung oder Ligatur der Krampfadern), radiologisch (TIPS), chirurgisch oder medikamentös (b-Blocker) behandeln. Für den Wasserbauch braucht man harntreibende Medikamente. Die Enzephalopathie wird mit Medikamenten behandelt. Diät (salzarm, in der Regel reich an Eiweissen, häufige kleine Mahlzeiten, Alkohol meiden). Gegebenenfalls Behandlung der Grundkrankheit. Die einzige Heilungsmöglichkeit ist zur Zeit die Lebertransplantation. An Möglichkeiten, die Zirrhose medikamentös zu heilen wird aktiv geforscht.

 

6. Leberzellkarzinom

Was ist ein Leberzellkarzinom?
Bösartige Geschwülste der Leber stammen in zirka 80 bis 90% direkt von der Leberzelle ab und werden als Leberzellkrebs bezeichnet. Der Leberzellkrebs ist heute weltweit eine der häufigsten Krebsarten mit einer geographisch unterschiedlichen Verteilung. In Asien ist er mit einem Anteil von 20 bis 30% die häufigste bösartige Geschwulst überhaupt, in Europa und Nordamerika dagegen macht er nur 1 bis 2% der bösartigen Geschwülste aus. Allerdings nimmt in Europa die Häufigkeit des Leberzellkrebs zu; in den letzten 15 Jahren hat er sich bei Frauen verdoppelt und bei Männern um 50 % zugenommen: Meist entsteht der Leberzellkrebs auf dem Boden einer chronischen Lebererkrankung, die zur Leberzirrhose geführt hat (Lebervernarbung); diese kann durch Viren (Hepatitis B oder C), übermässigen Alkoholkonsum, Pilzgifte wie Aflatoxin oder durch die Erbkrankheit Hämochromatose verursacht werden.

Welche Symptome und Beschwerden treten bei einem Leberzellkarzinom auf?
Häufig merkt der Patient nichts. Kleine Geschwülste der Leber werden oft nur im Rahmen von Routineuntersuchungen gefunden. Erste Symptome sind Oberbauchschmerzen oder ungewollte Gewichtsabnahme. Bei Wasserbauch, Gelbsucht oder spürbarer Geschwulst ist die Krankheit bereits fortgeschritten.

Welche Komplikationen und Gefahren gibt es dabei?
Der Leberzellkrebs kann in der Leber, in Blut- und Lymphgefässe, aber auch in Gallenwege einbrechen und in der übrigen Leber, im Bauchraum, in der Lunge und an anderen Orten Ableger bilden. Unbehandelt führt diese Krankheit deshalb meist innerhalb eines Jahres nach dem Krankheitsnachweis zum Tode.

Welche Abklärungen und Voruntersuchungen müssen bei einem Leberzellkarzinom gemacht werden?
Ultraschall, Computertomographie und Magnetresonanz-Tomographie sind die wichtigsten bildgebenden Verfahren um kleine Leberzellkrebse zu entdecken. Im Blut kann ein sogenannter Tumormarker, in der Suche nach Leberzellkrebsen hilfreich sein.

Therapie / Behandlungsmethoden
Nur eine frühzeitige komplette Entfernung der Lebergeschwulst hat Aussicht auf Heilung der Krankheit. Da die Leber auch nach einer operativen Entfernung von bis zu 70% des Gewebes wieder nachwachsen kann, sind ausgedehnte Leberoperationen heute erfolgreich möglich. Bei totaler Entfernung werden 5-Jahres-Überlebensraten von 25 bis 40 % erreicht. Bei Vorschädigung und Funktionsverlust der Leber, wie etwa bei der Leberzirrhose, sind die technischen Möglichkeiten einer Lebergewebsentfernung aber stark eingeschränkt. In solchen Fällen, vor allem wenn die Geschwulst noch klein ist, kommt gelegentlich eine Lebertransplantation als heilende Operation in Frage. Ist eine Operation unmöglich, kann dem Patienten oft trotzdem geholfen werden, auch wenn eine Heilung nicht mehr möglich ist. In solchen Fällen kann die Injektion von reinem Alkohol direkt in die Geschwulst oder die Injektion von Chemotherapie über die Leberarterien das Wachstum stoppen oder verlangsamen.